Franz Zeidler

Elektromechaniker und Maschinenbauer. Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime. Hingerichtet.

* 1903    † 1943

 

Lebenslauf

Franz Zeidler wurde am 17.10.1903 in Wien geboren. Er arbeitete als Elektromechaniker und Maschinenbauer. Franz Zeidler war verheiratet und Vater eines Sohnes.

Widerstand, Verhaftung, Todesurteil

Franz Zeidler beteiligte sich an Versuchen, kommunistische Flugschriften herzustellen. Hierzu war ein Abziehapparat notwendig, für dessen Beschaffung er mitverantwortlich war. Zudem nahm er Flugschriften zur wahrscheinlichen Weiterverbreitung entgegen. Weiters kam es zu Treffen mit Genossen, wobei der Aufbau einer kommunistischen Hilfsaktion zur Unterstützung von Familien verhafteter Genossen besprochen wurde.

Franz Zeidler wurde am 26.1.1943 verhaftet. Am 30.9.1943 erfolgte die Verurteilung zum Tode. Seine Hinrichtung fand am 19.11.1943 im Landesgericht I in Wien statt.

Aus dem Urteil

“Der Angeklagte, der eine Verbindung zur KPÖ suchte, wurde, wie bereits erwähnt, im Februar 1942 von Stolba mit Strohmer und durch diesen etwas später mit Kornweitz zusammengeführt. Er hatte dann in der Wohnung des Stolba zunächst mit Strohmer mehrere Aussprachen über den Aufbau einer kommunistischen Hilfsaktion zur Unterstützung der Familien verhafteter Genossen, wo er von diesem einmal kommunistische Flugblätter entgegennahm und später etwa drei Treffs mit Kornweitz, bei denen über die Herstellung von kommunistischen Flugschriften und die Einrichtung einer kommunistischen Lit.-Stelle beraten wurde.”

Brief seiner Frau an Franz Zeidler, vom 10.8.1943 (Auszug)

"...Lieber Franz, es bedarf keines Dankes, da ich dir ja leider viel zu wenig Trost zusprechen kann, und dass ich den Kindern eine gute Mutter und dir eine anständige Frau sein soll, ist doch heute nach fast 18 Jahren eine Selbstverständlichkeit. Nach deinem letzten Schreiben kennst du scheinbar das Sprich- und Wahrwort nicht, dass Undank der Welten Lohn ist. Hoffe, dass ich deinem Wunsch entsprechen kann, und dir vielleicht schon bei Beantwortung des zweiten Briefes ein Bild von uns allen senden kann. Wunschzettel habe ich von dir noch keinen erhalten. Lieber Franz, danke dir herzlich für deine lieben Geburtstagswünsche und erwidere innig deine Busserln, würde mich vielmehr auf den Tag freuen, wenn du bei mir sein könntest. Aber ich tröste mich wieder mit dem Namenstag. Unser Herrgott hilft mir ja vieles überwinden, ich rede mir halt ein, ich habe keinen Geburtstag, denn ich darf ja auch nicht älter werden. Freust du dich nicht über mein Schlanksein, ich wiege nur mehr 3 1/2 kg mehr als vor 18 Jahren. Weißt du, dass ich dich jetzt bei diesen Zeilen lachen sehe und den Gedanken lese: "I bitt di nimma." Franzl, der das immer sagte, ist jetzt nach Steyr verpflichtet worden, es geht ihm draußen ganz gut, nur du weißt ja, wie es einem Mutterkind geht, wenn es in der Fremde ist. Die Tauben kommen täglich und übermitteln immer Grüße und Küsse von dir. Möchte auch gerne mit ihnen zu dir fliegen können. Nur stark sein, mein lieber Bua, mit vielen, vielen Grüßen und Küssen, deine Mitzi. (Grüße von der Familie)"

Quelle: Lisl Rizy, Willi Weinert, „Mein Kopf wird euch auch nicht retten“. Korrespondenzen österreichischer WiderstandskämpferInnen aus der Haft. Band 4, Seite 2146. Wiener Stern Verlag 2016

Gedenktafel

Am ehemaligen Wohnhaus von Franz Zeidler in der Böcklinstraße 82 im 2. Wiener Gemeindebezirk wurde im Jahre 1988 eine Gedenktafel für den Widerstandskämpfer enthüllt.

Gedenkort - Landesgericht für Strafsachen Wien

Im ehemaligen Hinrichtungsraum des Landesgericht für Strafsachen Wien findet sich sein Name auf einer der Gedenktafeln.

Gedenkort - Gruppe 40, Zentralfriedhof

In der Gruppe 40 wurden die im Wiener Landesgericht Hingerichteten beerdigt. 2013 wurde die Gruppe 40 zur Nationalen Gedenkstätte erklärt.

Quellen und Bildnachweise

  • Rote Spuren: Franz Zeidler
  • Lisl Rizy, Willi Weinert (Hg.): "Mein Kopf wird euch auch nicht retten", Band 4 (Stern-Verlag, Wien)
  • Willi Weinert, "Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer". 4. Auflage Wiener Stern Verlag, 2017
  • Porträtbild: Willi Weinert oder Wiener Stern Verlag
  • Bild Fallbeil/Guillotine: Leihgeber Kurt Brazda
  • Andere Bildrechte: Angabe bei Anklicken des Bildes (Bildinformation)
  • Andere Bilder: Privatbesitz oder Verein Zur Erinnerung

Hauptwerke zur Gruppe 40

Weiterführende Informationen

  • DÖW Katalog zur permanenten Ausstellung. Hg. v. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands, Wien 2006
  • Wolfgang Neugebauer, Der österreichische Widerstand 1938-1945, Wien 2008
  • Die Geschichte des Grauen Hauses und die österreichische Gerichtsbarkeit, Wien 2012
  • DÖW (Hg.) Widerstand und Verfolgungen in den österreichischen Bundesländern (Wien, Burgenland, Oberösterreich, Tirol, Niederösterreich, Salzburg), Wien 1975-1991
  • Heinz Arnberger, Claudia Kuretsidis-Haider (Hg.) Gedenken und Mahnen in Niederösterreich. Erinnerungszeichen zu Widerstand und Verfolgung, Exil, Befreiung, Wien 2011
  • Brigitte Bailer, Wolfgang Maderthaner, Kurt Scholz (Hg.), „Die Vollstreckung verlief ohne Besonderheiten“, Wien
  • Herbert Steiner, Gestorben für Österreich. Widerstand gegen Hitler. Eine Dokumentation, Wien 1995
  • Herber Steiner, Zum Tode verurteilt: Österreicher gegen Hitler. Eine Dokumentation, Wien 1964

Web-Hinweise


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